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Erfahrungsbericht Ausbildungspferd

"Josy 11" kam im September 2002 3,5-jährig für ihre 3-monatige Grundausbildung  zu uns.

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Übersicht über Josys Ausbildung

Vorstellung
Josys Vergangenheit.
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Woche 0 - Ankunft auf dem Hof
Josy wird von dem ehemaligen Besitzer abgeholt, auf den Hof gebracht und erfährt ihr erstes Join-Up.
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Woche 1 - Aufgesessen
Josy wird ruhiger und macht ihre ersten Schritte unter dem Sattel.
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Woche 2 - Runde um Runde
Gehen und stehen bleiben - und der erste Trag.
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Woche 3 - Jetzt auch Seitwärts
Erste Seitengänge und Wendungen.
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Woche 4 - Das erste Mal
Josy macht beim Reiten erste Erfahrungen mit dem Bosal - und mit ihrem Besitzer.
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Woche 5 - Endlich ein Pferd
Josy bekommt Muskeln und sieht mehr und mehr aus wie ein Reitpferd. Der erste Galopp steht an.
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Woche 6 - Der Pferdeversteher
Der Besitzer wird mehr in die Arbeit einbezogen.
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Woche 7 - Doppellonge
Josy geht mit der Doppellonge souverän, auch rückwärts und in schwierigen Wendungen.
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Woche 8 - Galopparbeit
Die Phasen im Galopp werden verlängert und auch aus Hinterhandwendungen und Seitengängen heraus gefordert.
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Woche 9 - Reiten mit Peter Kreinberg
Erich nimmt mit Josy an einem Seminar teil.
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Woche 10 - Stabilisierende Übungen
Stetige, ruhige Wiederholungen beim Umgang, Satteln und Reiten geben dem Pferd in dieser Phase der Ausbildung Ruhe und Gelassenheit.
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Woche 11 - Stangenarbeit
Wir versuchen, die wichtigen Anforderungen Steuerung und Kontrolle beim Reiten zu verbessern.
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Woche 12 - Finale
Der Abschluss von Josy's Grundausbildung wird mit einem Ritt ins Gelände begangen.
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Vorstellung

Hallo! Ich bin Sven Bünte, und möchte hier meine Eindrücke zur Ausbildung meines Pferdes schildern. Dazu möchte ich zunächst mein Pferd kurz vorstellen:

Josy 11 wurde am 22.2.1999 geboren. Beide Eltern sind zwar bekannt, allerdings weiß man über die Abstammung nur, dass die Mutter zur Hälfte englisches Vollblut und der Vater zur Hälfte Trakehner ist. Bei Josy handelt es sich um eine wunderschöne Rapp-Stute. Josy hat keinerlei Abzeichen, auffällig sind nur die im Sonnenlicht bräunlich schimmernden Enden ihrer Mähne, die wohl noch aus Fohlenzeiten stammen. Josy verbrachte die ersten 3½ Jahre ihres Lebens im Sommer auf saftigen Weiden und im Winter in pferdegerechten Offenställen. Josy sollte zwar im Alter von 3 Jahren bereits eingeritten werden, aber die Tatsache dass Josy zum einen noch einen kleinen Wachstumsschub einlegte, und dass die Vorbesitzer keinen Ausbilder fanden, den sie für geeignet hielten, ließen Josy noch ein wenig Ruhe.

Anfang September 2002 erwarb ich die 3½jährige Rapp-Stute Josy und entschied mich, diese bei Erich Busch in Beritt zu geben.

Tipp vom Trainer:

Ich empfehle dem zukünftigen Pferdebesitzer, bei der Anschaffung eines Pferdes sehr sorgfältig zu sein. Man sollte sich dazu viele Fragen stellen.

Einige davon müssen lauten:

  • Für welche Aufgaben möchte ich das Pferd nutzen?
  • Wie waren die Aufzuchtbedingungen für das Pferd?
  • Hat das Pferd bereits schlechte Vorerfahrungen gemacht?

Mitleidskäufe haben in den seltensten Fällen zu einer guten Mensch-Pferdebeziehung geführt. Bei aller Vorfreude sollte man immer auch das Negative hinterfragen, um später nicht im Regen zu stehen. Für den Trainer ergibt sich daraus, ob er ein Pferd zur Umschulung des Reitstils oder zur Korrektur bekommt. Bei Josy handelt es sich um »rohes« Pferd, dass zum Einreiten kam.

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Woche Null - Ankunft auf dem Hof

Am 31. August 2002 holten wir Josy von Ihren damaligen Besitzern ab. Josy's einzige Erfahrung in einem Pferdehänger hatte Sie als Jährling auf der Fahrt von Höxter nach Fürstenau erlebt. Dabei hatte sie sogar ihr Halfter zerrissen. Da es den Besitzern bereits eine Woche zuvor nicht gelungen war, das Pferd auf den Anhänger zu bugsieren, holten wir an diesem Wochenende Erich zur Hilfe.

Trotz aller Zweifel: Innerhalb von 20 Minuten stand das Pferd ohne jegliche Gewalteinwirkung auf dem Hänger, und die Fahrt konnte beginnen. Am Anfang noch etwas nervös, erholte Josy sich schnell auf dem Hänger, und die Fahrt von ca. 1 Stunde überlebte sie ohne große Aufregung.

Noch am gleichen Tag begann Erich mit einem ersten Join-Up. Bereits in zwei Kursen hatte ich mich in die Geheimnisse der Bodenarbeit, des Joint-Up's und des Follow-Up's einweihen lassen. Das Training fand dabei zumeist mit mehr oder weniger ausgebildeten Pferden statt. Diesmal konnte ich Erich zum ersten Mal bei der Arbeit an einem "frischen" Pferd beobachten. Tatsächlich bestätigte sich alles, was er uns in der Bodenarbeit beigebracht hat. Wieder ein Beweis, dass Pferde alle gleich auf diese Techniken reagieren.

Zwar reagierte Josy noch hektisch, da sie ja gar nicht wusste, was man gerade von ihr verlangte, aber sie zeigte sich sehr kooperativ und aufmerksam. Bereits beim nächsten Bodentraining am Samstag wurde Josy mit dem Tragen einer Trense vertraut gemacht. Immer noch etwas schnell auf den Beinen, zeigte sie zumindest erste Bereitschaft beim Warten, obgleich die entsprechenden Übungsspiele noch nicht direkt für sie lösbar waren.

Sonntag. Tag Drei: Erich möchte Josy einen Sattel auflegen, um sie bereits in der frühzeitig an dieses nicht ganz unwichtige Reitutensil zu gewöhnen. Mit einem Sattel hatte Josy bereits eine Erfahrung gemacht: Die Vorbesitzer hatten ihr einmal einen englischen Sattel aufgelegt, diesen aber nach kurzer Zeit wieder abgenommen, da Josy nur bockte. Diese Tatsache sorgte dafür, dass die Wetten gegen Erich standen. Doch nach wenigen Minuten Bodenarbeit stand Josy gesattelt in der Reithalle - noch ehe sie wusste, wie ihr geschah. Nach einer "Bock-Runde" durch die Halle sah sie aber ein, das der Sattel oben bleibt. Und wieder einmal zeigte sich, dass Josy nach drei Tagen bereits Vertrauen zu ihrem Trainer gefasst hat.

Tipp vom Trainer:

Wenn ein Pferd in eine neue Umgebung kommt, sollte man sich viel Zeit nehmen. Das Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen. Dabei helfen gängige Konzepte, wie sie unter anderem von Monty Roberts, Pat Parelli oder Peter Kreinberg entwickelt wurden.

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Woche 1 - Aufgesessen

Es ist Samstag, und wir sind sehr gespannt was sich innerhalb einer Woche wohl tun kann?

Auf dem Hof ist ein Bodenarbeitskurs angesetzt, und Erich möchte Josy dabei gerne den Seminarteilnehmern vorstellen. Natürlich präsentieren wir unsere schwarze Schönheit sehr gerne, und so schauen wir einmal zu:

Die Seminarteilnehmer sind zunächst skeptisch - all die Reaktionen der Pferde seien ja darauf zurückzuführen, dass die Pferde auf dem Hof mit diesem Thema ja fast täglich konfrontiert werden. Doch Josy zeigt, dass alle Pferde die gleichen Reaktionen zeigen - auch wenn diese noch nie mit einem "Join-Up" konfrontiert wurden (oder zumindest noch nicht besonders oft).

Ich konnte dies bereits letzte Woche erfahren, als Josy wirklich zum ersten Mal im Ring stand. Doch bereits nach 6 Tagen zeigt sich, dass Josy wesentlich ruhiger in den Übungen geworden ist. Sie zeigt sogar, dass sie warten kann, anstatt sich allem durch Flucht zu entziehen.

Nach dem Seminar arbeitet Erich noch einmal mit Josy, um uns zu zeigen, was sie sonst noch gelernt hat.

Sonst noch etwas gelernt, was will der uns eigentlich nach 6 Tagen erzählen?

Doch dann traue ich meinen Augen kaum: Nachdem Josy wieder einmal gesattelt in der Halle steht, setzt Erich einen Fuß in den Steigbügel, und legt sich vorsichtig über das Pferd. Nach wenigen Sekunden schwingt er langsam sein Bein über den Rücken und sitzt aufrecht im Sattel! Josy steht dabei in aller Ruhe mitten in Halle - weder angebunden noch festgehalten. Nichts würde sie jetzt am durchgehen oder bocken hindern. Doch nichts dergleichen!

Wahnsinn! Erich erklärt uns, dass sei schon in Ordnung, er habe gestern bereits auf Josy gesessen, und sein heutiges Ziel sei eigentlich, das Josy sich nun mit ihm einmal bewegen solle. Na hoffentlich nicht auf den Boden!

Behutsam bringt er Josy dann tatsächlich dazu einen Schritt vorwärts zu machen. Josy setzt ihre Hufe nach vorne und schwankt - Erich sitzt mit einer Hand am Sattelhorn noch immer oben auf. Man merkt, dass Josy erst einmal lernen muss, sich unter einem Reiter neu zu balancieren.

Aber damit brechen wir die Übungen für heute ab. Schließlich wollten wir nur einen Schritt - und den haben wir bekommen. Außerdem sollte man aufhören, wenn's am schönsten ist - das gilt insbesondere auch im Umgang mit Pferden!

Tipp vom Trainer:

Als Trainer sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen. Weder vom Kunden, noch von sich selbst. Erst wenn die vertrauensbildenden Übungen Schritt für Schritt funktionieren, sollte man daran denken aufzusteigen. Nützlich ist dabei ein Helfer, zu dem das Pferd ebenfalls Vertrauen hat. Man darf das Pferd auf keinen Fall überfordern. Ein einziger Schritt reicht. Dieses Ziel kann man in einer Woche erreichen, es kann aber auch durchaus länger dauern.

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Woche 2 - Runde um Runde

Freitag, der 13. September: Eigentlich gehen wir davon aus, dass heute gar nichts klappen kann. Doch allem Aberglauben zum Trotz, zeigt Erich uns, was er so getan hat.

Wir lassen heute den Join-Up erst einmal weg. Josy wird direkt vor Beginn ihrer Ausbildungsstunde in die Sattelkammer gestellt. Hier wird sie von Erich mit einem umgerüsteten "Pferdestaubsauger" gereinigt. Josy interessiert das gar nicht. Sie steht in der Sattelkammer, ein Hinterbein locker eingeknickt und lässt sich das Geräusch des Saugers genauso gefallen wie das absaugen an sich.

Frisch "gereinigt" wird sie gleich gesattelt. Auch diese Prozedur stellt inzwischen überhaupt gar kein Problem mehr für sie dar. Auch die üblichen Aufwärmrunden in der Halle sind zur Routine geworden.

Sodann steigt Erich auf, wobei Josy sich auch dies gefallen lässt, ohne etwa wegzulaufen oder anderes zu unternehmen um dies zu verhindern. Sie wird nun im Schritt durch die Halle bewegt. Man sieht zwar, dass sie noch immer daran arbeitet ihre richtige Balance unter dem Reiter zu finden, aber sie folgt den Aufforderungen zur Richtungsänderung sehr willig. Anscheinend denkt sie nicht einmal daran, durch das geöffnete Hallentor nach draußen zu flüchten.

Nach einigen Runden beginnt Erich damit, Josy zu einem Trab zu bewegen. Tatsächlich erhöht sie nach wenigen Versuchen ihr Tempo. Er erklärt uns, dass er dies heute zum ersten Mal versucht, und wie wir sehen, klappt es doch. Zwar fällt Josy nach kurzer Zeit immer wieder in den Schritt zurück, doch sie ist immer wieder bereit ihre Geschwindigkeit zu erhöhen.

Nur eines zeigt sich zum Ende hin: Zwar hält Josy an, doch sie bewegt sich sofort wieder vorwärts, wenn Erich die Zügel locker lässt. Immer wieder hält Erich sie an, doch immer geht sie nach vorn. Sie muss erst noch lernen, dass sie eigentlich weniger arbeiten müsste, wenn sie einfach nur stehen bleiben würde. Aber es kann ja nicht alles auf Anhieb funktionieren, wir arbeiten hier immerhin mit einem lebendigen Tier.

Tipp vom Trainer:

Pferde lieben Rituale. Alle Dinge, die nun zu tun sind, werden immer gleich gestaltet. Das Putzen, das Satteln - das Aufsteigen und am Ende des Trainings auch das Absatteln.

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Woche 3 - Jetzt auch Seitwärts

Früh aufstehen ist heute die Devise. Morgens um viertel vor sieben schauen wir Erich beim Training zu.

Es ist trotz der Müdigkeit schön anzusehen, dass Josy alles bereits erlernte willig zeigt. Zusätzlich versucht Erich sich heute in Seitengängen. Das scheint Josy zwar noch etwas ungeheuer zu sein, aber immerhin, es funktioniert.

Auch das "Wenden gegen den Zaun" funktioniert schon. Bereitwillig senkt Josy immer wieder den Kopf und tut alles, was man von Ihr verlangt.

Zum Abschluss lassen wir Josy noch ein wenig Traben, was auch schon wesentlich besser aussieht als noch letzte Woche.

Da Erich in der Hauptsache die bereits erlernten Dinge vertiefen wollte, kann ich diese Woche nicht allzu viel Neues berichten, außer das er sein Ziel voll erreicht hat.

Aber nächste Woche möchte er uns mit etwas ganz besonderem überraschen. Also seien wir gespannt...

Tipp vom Trainer:

Die Pferde werden auf weichende Hilfen eingestellt. Daraus lässt sich dann alles andere entwickeln. Wendungen gegen den Zaun genauso wie das Anhalten.

Woche 4 - Das erste Mal

Heute ist Sonntag der 29. September, und wir mussten nicht ganz so früh aufstehen. Also begleiten wir Erich und Josy in die Reithalle.

Bereits beim Satteln fällt uns auf, das Erich mit seiner Überraschung ernst gemacht hat: Heute zäumt er Josy mit einem Bosal. Für diejenigen, die das nicht kennen: Bei einem Bosal handelt es sich um eine Art der gebisslosen Zäumung.

Da ich ein wenig unsicher bin, ob das bei so einem jungen Pferd wohl gut ist, beruhigt Erich: Josy habe sehr schön gezeigt, dass sie bereit ist zu arbeiten, und dass es also gar keinen Grund gibt, sie mit einem Gebiss zu ärgern.

Während der Stunde zeigt sich inzwischen ganz deutlich, dass Josy ihre Balance unter dem Reiter inzwischen gefunden hat. Sie lässt sich auch sehr schön fordern und legt nicht nur komplette Runden im Trab zurück.

Doch die eigentliche Überraschung kommt am Ende der Stunde. Erich steigt ab und drückt mir die Zügel in die Hände. Als ich Josy zum absatteln bringen will, fragt er mich, was ich da tue. Etwas verwirrt schaue ich ihn an, und er fragt mich, ob ich nicht lieber eine Runde reiten möchte.

Das lasse ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen, und steige auf. Schon in den ersten Schritten merke ich: Dieses Pferd hat einen elastischen Rücken - wunderbar, man glaubt fast auf einem Sofa zu reiten. Aber nicht nur dass, auch von mir als Reitanfänger lässt sie sich willig durch die Runden führen.

Nach ein paar Runden soll dann aber doch Schluss sein. Eigentlich will ich gar nicht absteigen, und freue mich schon jetzt auf die ersten Ausritte mit Josy!

Tipp vom Trainer:

Egal ob Bosal, Gebiss oder Sidepull: Das Pferd soll lernen, auf Druck immer im Genick, Hals, in der Schulter, im Rippenbogen und in der Hinterhand nachzugeben. Man sollte je nach Mitarbeit des Pferdes ab der 4 bis 8 Woche versuchen die Besitzer in die Ausbildung einzubeziehen.

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Woche 5 - Endlich ein Pferd

Am Ende der fünften Woche kommt auf Josy in der Bodenarbeit etwas neues zu: Aus den Wendungen heraus lässt Erich sie kurz angaloppieren. Man kann hier wieder sehr schön sehen, dass Josy die gleichen Reaktionen zeigt, wie am Beginn ihrer Ausbildung im Trab: Das ganze ist für sie unter dem Sattel noch ungewohnt, so dass sie zunächst mit Bocksprüngen versucht den Sattel loszuwerden. Das gibt sie allerdings nach zwei Sprüngen genauso auf, wie sie es damals im Trab getan hat.

Im eigentlichen Reiten wird Josy nun deutlich mehr gefordert. Sie wird im Schritt und Trab konsequent durch die Halle geritten, immer wieder unterbrochen von anderen Übungen wie Seitengängen oder Wenden gegen den Zaun.

Die Arbeitsintervalle sind deutlich länger als zu Beginn ihrer Ausbildung, und nach jedem Intervall wird sie allerdings auch mit einer Pause belohnt. Josy scheint das allerdings nichts auszumachen. Sie verweigert sich nur sehr selten und arbeitet schön mit.

Es ist auch sehr schön anzusehen, dass Josy ihren Weidebauch gegen erste Muskeln ausgetauscht hat. Ihre Proportionen sehen von Woche zu Woche mehr und mehr nach Reitpferd aus.

Erich hofft in der nächsten Zeit auf besseres Wetter, denn er würde gerne die Ausbildung auf dem großen Reitplatz fortsetzen, um Josy auch auf längeren Bahnen gerade auf dem Hufschlag führen zu können. Mal sehen, ob der Herbst uns da nicht einen Strich durch die Rechnung macht...

Tipp vom Trainer:

Wenn das Pferd seine innere und äußere Balance gefunden hat, werden die Ausbildungsanforderungen erhöht. Von nun an gilt das Prinzip: Fordern - aber nicht überfordern. Durch die gute Basis kann man immer auf vertraute Übungen zurückgreifen. Das gibt dem Pferd die Sicherheit, die es braucht.

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Woche 6 - Der Pferdeversteher

In der sechsten Woche verbringe ich wieder einmal ein ganzes Wochenende auf dem Hof.

Erich hat derzeit mehrere Pferde in Beritt, und da seine bessere Hälfte Frauke gerade nicht da ist, hat er eine ganze Menge Arbeit um die Ohren.

Um sich ein wenig zu entlasten gönnt er mir eine Freude und beschließt, dass ich das Training mit Josy doch einmal selber durchführen solle.

Damit meint er zwar nicht das Reiten, aber gerne gehe ich daran, meine erste Bodenarbeit mit Josy zu machen.

Sehr schnell fällt mir auf, das Josy sehr sensibel auf die Hilfen der Bodenarbeit eingestellt ist, und sehr gut selbst auf kleine Bewegungen reagiert. Ein kleiner Wink mit der Hand reicht oftmals aus, um sie in Bewegung zu versetzen oder zu halten. Auch die Übergänge der Geschwindigkeiten funktioniert sehr gut.

Wir sind der Überzeugung, dass ich wohl bereits in zwei Wochen meine Reitstunden auf Josy nehmen kann. Ein Tag den ich natürlich kaum erwarten kann.

Tipp vom Trainer:

Bodenarbeit ist ein gutes Konzept, um Mensch und Pferd aufeinander abzustimmen. Ich binde die Besitzer gerne früh in die Arbeit mit dem Pferd ein. Sicherheit im Umgang bringt auch mehr Sicherheit im Sattel.

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Woche 7 - Doppellonge

In der siebten Woche hat Erich wieder einmal eine Neuerung eingeführt: Josy wird an der Doppel-Longe geführt.

Auch mit diesem Werkzeug weiß Erich das Pferd überall dorthin zu lenken, wo er es haben möchte. Selbst das rückwärts Gehen und schwierige Wendungen sind dabei möglich.

Später kann ich feststellen, dass diverse andere Pferde die sogar älter und wesentlich länger geritten sind als Josy sich wesentlich schlechter in dieser Disziplin machen.

Das mag zwar jeder über sein Pferd sagen, doch die anderen Pferdebesitzer bestätigen dies sogar.

Am nächsten Wochenende möchte Erich gerne mit Josy das Seminar von Peter Kreinberg besuchen. Ein paar Dinge muss Josy dazu zwar in der Woche noch lernen, aber derzeit sind wir optimistisch, dass Josy dies schafft.

Tipp vom Trainer:

Die Doppellonge ist ein gutes Mittel das Pferd in der Nachgiebigkeit zu schulen. Nur Pferde, die sich im gesamten Körper ohne Probleme berühren lassen, können mit dieser Methode gearbeitet werden.

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Woche 8 - Galopparbeit

Zwei Drittel des Beritts hat Josy nun hinter sich. Um dies Eindrucksvoll zu unterstreichen, hat Erich mit der Galopparbeit begonnen.

Und es kommt wie ich es eigentlich erwartet habe: Genau wie in Schritt und Trab bietet Josy im ersten Galoppsprung einen Bocksprung an. Ein Rodeopferd wollte ich nicht - aber sie geht auch sofort in einen schönen Galopp über, und lässt sich von da an problemlos angaloppieren.

Links herum und rechts herum, in beiden Richtungen zeigt Josy einen schönen Galopp, und selbst wenn Sie beim angaloppieren noch auf der falschen Seite anfangen sollte, wechselt sie nach wenigen Sprüngen bereitwillig in einen richtigen Galopp.

Auch die Ausdauer mit der sie galoppiert ist faszinierend. Den Galopp versucht sie nur sehr selten zu unterbrechen. Immer wieder wird sie mit ausgiebigen Pausen belohnt, aber die soll sie auch bekommen, dann das Training ist heute nicht alles was auf sie zukommt:

Wie bereits in der sechsten Woche versprochen wurde, nehme ich heute meine erste richtige Reitstunde auf Josy. Den Unterschied zu Erichs anderen Pferden erkenne ich sofort: Während manch ein anderes Pferd, dass lange genug unter dem Sattel ist, auch bei etwas ungenauer "Hilfegebung" ahnt was der Reiter möchte, zeigt Josy mir jeden einzelnen meiner Fehler gnadenlos auf. Mit einer eingeknickten Hüfte lässt sich da keine Kurve reiten, und aufstehen aus dem Sattel hilft nicht beim Anhalten. Das führt dazu, dass ich in dieser Stunde wenigstens das doppelte von dem gelernt habe, was ich mir sonst in einer Stunde aneigne.

Tipp vom Trainer

Wenn alle Übungen im Schritt und Trab gefestigt sind, können wir mit der Galopparbeit beginnen. Der gesetzte Galopp wird aus der Hinterhandwendung und dem Seitwärtsgehen entwickelt. Dem Pferd macht diese Übung sehr bald Spaß, weil der Galopp keinen Stress bedeutet.

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Woche 9 - Reiten mit Peter Kreinberg

An diesem Wochenende findet ein Seminar mit Peter Kreinberg statt. Erich hat mich gefragt, ob er mit Josy an diesem Kurs teilnehmen könne. Natürlich habe ich dem zugestimmt, denn erfahrungsgemäß sind diese Kurse für Pferd und Reiter sehr hilfreich.

Erich reitet in der Gruppe der "erfahrenen" Seminarteilnehmer. Und obwohl Josy erst eine kurze Zeit unter dem Sattel ist, zeigt sie vollen Arbeitseinsatz und kann alle Übungen bestreiten.

Ob es sich dabei um den weichen Übergang zwischen den Gangarten handelt, ein schwieriges Vorwärts-Seitwärts-Gehen, oder um diverse Übungen in der Galopparbeit, Josy steht keinem der anderen Pferde im Kurs in etwas nach.

Erich hat sich die Option offen gehalten, den zweiten Tag mit einem anderen Pferd zu bestreiten, aber am ersten Abend entschließt er sich, auch den Sonntag mit Josy teilzunehmen. Sie hat alle Erwartungen erfüllt, und auch Pete meint, das Josy seine drei Grundvoraussetzungen an ein Pferd - Warten - Weichen - Willigkeit - bereits sehr gut erfüllt.

Tipp vom Trainer

Lehrgänge sind für Reiter und Pferd eine hilfreiche Abwechslung. Leider denken viele Reiter, sie müssen auf Lehrgängen ein perfektes Pferd und sich selbst präsentieren. Ich bin ganz anderer Meinung: Bei Kursen und Turnieren sollte der Reiter die Bedürfnisse des Pferdes in den Vordergrund stellen. Fordern - nicht überfordern. Gute Kursleiter gehen auf die verschiedenen Pferd-Reiterpaare ganz individuell ein. Kurse und Seminare sind nicht nur für Reitschüler, sondern auch für die Trainer wichtig - denn ein Trainer der sich selber nicht fortbildet, kann nicht auf dem laufenden bleiben und sich und seine Methoden verbessern.

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Woche 10 - Stabilisierende Übungen

Josy hat bereits viel gelernt. Langsam kommt die Zeit, in der Sie lernen muss, dass erlernte nicht gleich wieder zu vergessen, weil ihr neu erworbenes "Wissen" nicht abgerufen wird.

Aus diesem Grund besteht diese Woche aus intensivem Training mit vielen Wiederholungen der letzten Wochen. Dabei werden nicht nur die Elemente des Kreinberg-Seminars weiter gefestigt, es wird auch immer wieder auf die ersten Bausteine Ihrer Ausbildung zurückgegriffen.

Josy absolviert ihre Trainingsstunde ruhig und gelassen. Auffällig ist nur, dass sie bei Beginn der Galopparbeit zunächst wieder einen Bocksprung zeigt. Das wird sich hoffentlich erledigen, bis ich das erste Mal galoppiere...

Erich sieht dem baldigen Ende der Grundausbildung gelassen entgegen. Bislang zeigt Josy keinerlei Verweigerung gegenüber der Arbeit. Sie ist immer voll bei der Sache, und man bemerkt auch des Öfteren den Vollblut-Anteil in ihr.

Tipp vom Trainer

Sicherheit ist für das Fluchttier Pferd ein wichtiges Bedürfnis. Sicherheit erreichen Pferd und Reiter durch Wiederholungen. Stetige, ruhige Wiederholungen beim Umgang, Satteln und Reiten geben dem Pferd in dieser Phase der Ausbildung Ruhe und Gelassenheit. Eine gute Ausführung schon erlernter Übungen werden mit einer Pause belohnt.

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Woche 11 - Stangenarbeit

In dieser Woche nehme ich wieder einmal eine Reitstunde auf Josy. Aber nicht nur das: Da ich mit Josy später auch einmal versuchen möchte die eine oder andere Trial-Übung auf Josy zu meistern, beginnen wir gleich mit einer einfachen Vorübung dazu.

Zu diesem Zwecke reihen wir zunächst in der Mitte der Halle 4 Stangen parallel zueinander auf. Diese »Hindernisse« Ignorieren wir am Beginn der Stunde einfach. Erst nach einigem Warm-Reiten (damit meine ich eher mich, denn so langsam beginnt der Winter auf dem Berg) beginnen wir damit, die Stangen im Schritt zu überqueren. Ziel dabei ist, dass das Pferd so konzentriert bei der Sache ist, dass es nicht gegen die Stangen tritt. Ein Kinderspiel für Josy.

Die nächste Übung ist wieder einfach für das Pferd, aber schwieriger für den Reitanfänger auf dessen Rücken: Bevor man die über Stangen geht, nimmt man sich eine beliebige dieser Stangen vor, über der man anhalten möchte. Ziel dabei ist, mit den Füssen genau über der geplanten Stange zu stehen, ohne dass das Pferd zu weit geht oder zu früh anhält.

Da ich mich und meine Hände leider nicht so unter Kontrolle habe, wie dies eigentlich der Fall sein sollte, reitet Josy plötzlich mit mir aus der Halle. Auch wenn ich mich zuerst ein wenig erschreckt habe: Josy interessiert das gar nicht. Sie lässt sich auf Anhieb auf dem Weg vor der Halle umdrehen und reitet mich auch wieder hinein. Es besteht also kein Grund zur Panik, nur weil sie einmal frei Fläche anstelle der Reitbahn oder der Halle vor sich sieht.

Tipp vom Trainer

Steuerung und Kontrolle sind wichtige Anforderungen beim Reiten. Die oben beschriebene Übung verlangt beides. Es gibt viele weitere Übungen zur Verbesserung der Steuerung und Kontrolle, z.B.: 3 Schritte vor, 2 zurück, 1 Schritt links, 1 Schritt rechts. zwischen den einzelnen Schritten ist dabei immer eine Pause einzubauen. Das Pferd wird die Pause suchen, dann wird die Kontrolle über Bewegung und Geschwindigkeit kein Thema mehr sein.

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Woche 12 - Finale

Heute ist ein besonderer Tag. Heute wollen wir den Abschluss von Josy's Grundausbildung mit einem Ritt ins Gelände begehen.

Erich sattelt Sunny, und ich nehme mir Josy vor. Zunächst drehe ich ein paar Runden über den Reitplatz mit ihr, um mich an die Kälte und das Gefühl zu gewöhnen, endlich auf dem eigenen Pferd durch die lippische Prärie zu reiten.

Im Gelände zeigt sich Josy von Ihrer besten Seite. Meine erste Nervosität verfliegt schnell, und bald kann ich die schöne Winterlandschaft auf dem Berg genauso genießen, wie die Schlittenfahrer unten am Hang. Es macht wirklich Spaß, und bald merke ich kaum noch, wie bitterkalt es ist.

Doch irgendwann kommen wir wieder auf dem Hof an, und irgendwie bin ich erleichtert, dass alles so gut geklappt hat. Das ist ein Verdienst, den ich nicht zuletzt der guten Ausbildung durch Erich verdanke.

Es bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass ich mich schon jetzt auf das Ende des Winters freue, um die Ausritte bei schönem Wetter zusammen mit anderen Reitern genießen zu können.

Somit bleibt mir nur noch zu sagen:

Vielen Dank an Erich für die gute Ausbildung,
an Frauke für die gute Betreuung des Pferdes und des Besitzers,
aber auch auch an Josy für ihre bereitwillige Mitarbeit.

Tipp vom Trainer

Ein gutes Berittergebnis (Pferd-Reiterkombination) kann der Trainer nur erreichen, wenn der Besitzer die Berittzeit nutzt um die Reittechnik und das Konzept zum Umgang mit dem Pferd zu erlernen. Bei Josy und Sven war das der Fall. Entspannten Ausritten - also dem ursprünglichen Ziel - steht aus meiner und aus Josy's Sicht nun nichts mehr im Wege.

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