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Erfahrungsbericht Problempferd

Der Painthorse-Wallach "Sally Saw" kam im Jahr 2002 7-jährig für drei Monate zur Korrektur zu uns. Hier erzählt seine Besitzerin Melanie Liese seine Geschichte.

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Sally Saw ist ein sieben jähriger Paint Horse Wallach, den wir im September 2002 aus Hamburg kauften. Da unser Budget begrenzt war, und wir uns deshalb kein fertig ausgebildetes Paint Horse leisten konnten, waren wir auf die Anzeige aufmerksam geworden, die ein zumindest angerittenes Pferd versprach.

Sally präsentierte sich uns als Scheidungspferd. Die Ehefrau hatte ihn für ihren Mann gekauft, um ihn ebenfalls für das Reiten gewinnen zu können. Die Ehe funktionierte anscheinend genauso wenig, wie das Reiten des Pferdes. Sie ließen sich scheiden und niemand kümmerte sich so richtig um das Tier. So kam es, dass Sally im Alter von drei Jahren angeritten wurde, um dann drei Jahre als Weidepferd zu verbringen.

Als wir ihn uns ihn Hamburg ansahen und Erich Busch ihn Probe ritt, zeigte er uns erst einmal Lektionen der Hohen Schule. Oder genauer gesagt: Er stieg und wusste nichts davon, dass er angeritten war. Am Boden zeigte er jedoch ein freundliches Wesen, und auch in seinem Steigen lag keine Aggression, so dass wir davon ausgingen, dass mit dem entsprechenden Training es kein Problem sein sollte, ihn auszubilden. Auf Grund des eher unangenehmen Erlebnisses, gingen die Besitzer im Preis runter, da uns klar war, dass wir bei diesem Pferd mehr in den Beritt investieren mussten.

Zu Hause angekommen, erwies sich die Ausbildung jedoch schwieriger, als erwartet. Eigentlich als Jungpferdeausbildung gedacht entwickelte sich sein Training mehr und mehr zu dem eines Problempferdes. Sally akzeptierte kein Gebiss. Merkwürdigerweise nahm er es willig ins sein Maul auf, um während des Reitens jedoch immer wieder heftig und unwillig mit dem Kopf zu schlagen und sich dagegen zu wehren. Seine körperlichen Verspannungen erwiesen sich als so ausgeprägt, dass es ihm zuerst unmöglich war, eine Volte zu gehen und an derselben Stelle wieder anzukommen. Immer wieder begann er die Schwachstellen auszutesten und beförderte nicht selten seinen Reiter herunter, wenn dieser ihn nach seinen Vorstellungen "ärgerte". Mein Mann und ich wären dieser Aufgabe die uns das Pferd stellte nicht gewachsen gewesen. Umso dankbarer waren wir, dass Herr Busch nicht müde wurde sich immer wieder neu auf die Probleme unseres Pferdes und auch auf unsere eigenen einzustellen und sich entsprechende Trainingsmöglichkeiten auszudenken.

Wir gingen mit Sally sämtliche Zäumungen durch und ließen ihn auch komplett durchchecken, um körperliche Mängel auszuschließen. Wir gymnastizierten ihn durch auf ihn abgestimmte Übungen, arbeiteten mit ihm im Round Pen und im Trailparkour. Es dauerte, aber es wurde besser. Das Buckeln und das Steigen verschwanden immer mehr. Mittlerweile entwickelt er sich zu einem ruhigen, gelassenem Pferd, dass immer feiner reagiert, und sich stetig weiterentwickelt. Wir reiten ihn in Kursen und Seminaren, und auch seinen ersten Wanderritt hat er vor kurzem souverän absolviert. Äußerst selten tauchen noch mal ein paar der alten Probleme auf, doch wir haben gelernt, damit umzugehen und sind fest davon überzeugt, dass sie bald komplett der Vergangenheit angehören.

Sally ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Pferd nicht über Gewalteinwirkung geritten werden kann. Anhand unserer Erfahrungen mit ihm gehen wir davon aus, dass er in seiner Grundausbildung mit drei Jahren durch eine harte Schule gegangen sein muss. Einige Dinge waren bei ihm zwar vorhanden, doch waren sie eindeutig mit Angst verknüpft, die bei ihm zu unerwünschten Verhaltensmustern führte. Dieses Ausbildungswissen war nicht verlässlich abrufbar und für jemanden, der nicht absolut sattelfest und erfahren war, auch gefährlich. Als Sally bei uns das erste Mal eine Gerte sah, weil Herr Busch durch die Biegsamkeit der Gerte zeigen wollte, wie sich ein Pferd dehnt, ging er mehrere Schritte rückwärts. Natürlich hätte man ihn auch weiterhin über Gewalteinwirkung ausbilden können, und ich möchte auch nicht abstreiten, dass er deshalb unter dem ein oder anderen erfahrenem Reiter eine gute Figur gemacht hätte, doch war es nicht das, was wir wollten. Wir möchten ein Pferd, das uns respektiert, aber nicht fürchtet, und wir möchten ein Pferd, auf das sich auch irgendwann einmal unser Sohn draufsetzen kann, ohne das wir Angst haben müssen, dass etwas passiert.

Das von Erich Busch praktizierte Lernkonzept, dass auf einem leicht verständlichen Bausteinprinzip funktioniert, und dem Pferd einen Wiedererkennungswert und dadurch Sicherheit gibt, haben dabei geholfen aus unserem „ Pulverfass“ ein anständiges, reitbares Pferd zu machen. Mit das wichtigste in dieser Ausbildung war dem Pferd die Zeit zu geben, die es braucht und auch an sich selbst zu arbeiten, und die eigenen Fehler zu suchen.