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Erich Busch über Westernreiten, Vertrauen und gar nicht so einsame Cowboys
Extertal-Linderhofe. Wer ein Pferd verstehen will, muss genau hinschauen. Ein Zucken des Ohres, ein Senken des Kopfes, ein zufriedenes Kauen: für Erich Busch sind die Regungen der Vollblutstute Wudije weder Zufall noch Geheimcode - und schon lange nichts Mystisches. "Wudije sagt, dass sie mit mir arbeiten will. Das sie mir vertraut", sagt der Westernreiter. Ganz klar: Erich Busch ist ein Pferdeversteher.
Keine Beleidigung, sondern ein Ehrentitel unter den zahlreichen Prädikaten, die Busch in seinem Leben bereits gesammelt hat. Krankenpfleger ist er, Masseur, Ex-Trainer der isländischen Karate-Nationalmannschaft. Und: Heilpraktiker, Tierheilpraktiker, freiberuflicher Dozent im Gesundheitswesen. Lauter Titel, lauter Erfahrungen, lauter Geschichten.
Eine davon: Die mit Erich Busch und seiner Begeisterung für die
Westernreiterei.
Im Sattel sitzt der Linderhofer bereits seit seinem neunten
Lebensjahr. Das Westernreiten entdeckte er allerdings erst viel
später und erst nach einigen Irrwegen. Irgendwann suchte Busch
seinen Weg abseits der Spring- und Dressurreiterei im Verein. Und
tat das, was viele andere zu jener Zeit auch taten: "Ich hatte ein
wunderschönes Pferd, habe mir einen billigen Sattel und eine Trense
gekauft und bin in den Wald geritten", erzählt er. Nicht gut für den
Reiter und nicht gut fürs Pferd - aber das war es, was man
seinerzeit unter "Westernreiten" verstand. Was es damit wirklich auf
sich hatte, erfuhr Busch erst nach und nach. Durch Auftritte
"echter" Westernreiter bei Messen beispielsweise, durch Kurse, durch
Lektüre.
Was ihn neben der reinen Reittechnik sofort überzeugte, war die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd, die die Westernreiter praktizieren - das so genannte "Horsemanship". Monty Roberts, einer der großen Vertreter dieser Kunst, ist spätestens seit der Romanverfilmung vom "Pferdeflüsterer" allseits bekannt.
Die Schlüsselworte dabei heißen Respekt und Vertrauen. "Wenn ich mit neuen Pferden arbeite, geht es in der ersten Woche nur um vertrauensbildende Maßnahmen", erzählt Erich Busch. Die Methode nutzt die natürlichen Reaktionen und die Körpersprache der Pferde, um diese zu lenken. Sie tun was "ihr" Mensch will - aber weil sie selbst es so wollen. Eine leichte Drehung des Menschenkörpers zum trabenden Pferd hin - Wudije ändert die Laufrichtung. Eine sanfte Handbewegung von Erich Busch - die Stute kommt zu ihm hin. Diese Reaktionen seien im Pferd angelegt, der Mensch müsse nur die richtigen Signale und Körperhaltungen kennen, erklärt Busch. Nach kurzer Zeit ist die Beziehung stabil, das Pferd vertraut dem Menschen. Wudije zum Beispiel bleibt ganz geduldig stehen, als Erich Busch jetzt mit dem Führstrick einmal um sie herum geht, die Stute praktisch "einwickelt".
"Egal ob Isländer, Haflinger oder Warmblüter - die Methode funktioniert bei allen Pferden", erklärt Busch, der auf seinem Hof in Linderhofe Pferde trainiert, mit denen ihre Besitzer nicht klar kommen, Reitunterricht gibt und Vorträge rund ums Pferd organisiert. Anlaufstelle wollen er und seine Freundin Frauke Cilsik sein, ein Kontaktpunkt für alle Pferdefreunde, die mehr wollen als in der Reithalle ihre Runden zu drehen. Bei ihnen trifft sich auch an jedem dritten Dienstag im Monat die "Initiative Westernreiten", die die beiden Linderhofer aus der Taufe gehoben haben. In ganz Deutschland, schätzt Busch, gebe es etwa 40.000 Westernreiter. "In Lippe ist die Szene zurzeit im Aufbau."
In dieser Szene hat sich Busch mittlerweile einen Namen gemacht. "Zum Teil ist das Pferdeflüsterer live", erzählt er. "Mindestens ein Mal pro Woche kriege ich Anrufe, etwa von Müttern, weil ihr Kind zum Beispiel in der Springstunde nicht mit dem Pferd klar kommt." Oft schaut sich Busch die Pferde dann an, arbeitet mit ihnen. Die Ursachen für die Differenzen zwischen Pferd und Reiter ähneln sich meistens und liegen fast immer auf der Seite des Halters: "Falscher Umgang, falsche Haltung", sagt Busch. Dass sich ein Pferd, dass sich nie führen ließ, problemlos am Halfter nehmen lässt, nachdem er mit ihnen gearbeitet hat, ist für den Linderhofer alles andere als Hexerei. "Das ist nix Mystisches, das ist Handwerk", sagt er. Von wegen "Pferdeflüsterer" - alles Film.
Und bei der Gelegenheit räumt er gleich noch mit einem anderen Klischee auf: Die Westernreiter - zumindest die in Linderhofe - sind keine "poor lonesome Cowboys". "Wir haben hier zwar 'ne Feuerstelle. Und manchmal sitzen wir abends auch da und erzählen Pferdegeschichten. Aber das war es dann auch schon. 'Horsemanship' hat schließlich ganz viel mit dem Umgang miteinander zu tun, und nicht mit Alleingängen."
Wer sich fürs Westernreiten oder für die Arbeit von Erich Busch
interessiert, bekommt
Infos unter Tel. (0 52 62) 99 56 84.
Von Barbara Luetgebrune