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Mehr als nur »Pferdeflüstern«

Westfalen-Blatt (Lemgoer Zeitung) vom 1./2./3. November 2002

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Erich Busch lehrt die etwas andere Art des Reitens

Extertal (LR). Das Glück dieser Erde.... na ja, und so weiter. Das, was sich nach dem alten Sprichwort auf dem Rücken der Pferde findet, beginnt bei Erich Busch (46) erst einmal auf dem kalten Boden der kleinen Reithalle. Von dort aus nimmt der »Reiter«, der in diesem Moment noch gar keiner ist, den ersten Kontakt zu seinem Pferd auf. Wenn Erich Busch quer durch die Halle marschiert - trottet Araber »Merlin« entspannt hinter ihm her. Bleibt er stehen, hält auch sein Vierbeiner an. Eine Verbindung zwischen den beiden - einen Strick oder gar einen Zügel an einer Trense - gibt es nicht. Langjährige Dressur? Keinesfalls. »Das lernt bei uns jeder«, erklärt Erich Busch dem erstaunten Zuschauer. Reiten im Western-Stil ist die etwas andere Art des Pferdesports: Hier steht die Kommunikation, das Miteinander mit dem Freizeitpartner Pferd im Vordergrund. 2001 kaufte der Meierberger den »Hof auf'm Berg« in Linderhofe.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Frauke Cilsik baute Erich Busch dort einen Reitbetrieb auf. Die Ausbildung verläuft streng nach der Maßgabe: Wer reiten will, muss die »Kommunikation« mit seinem Pferd beherrschen. Der Reiter muss die »Sprache« seines Pferdes verstehen.

Bevor sich der Reiter bei Erich Busch in den Sattel setzt, lernen deshalb Pferd und Mensch, sich zu verstehen. Er und »Merlin« machen es vor: Soll das Tier traben, geht der Reiter schnell schräg hinter seinem Pferd her. »In einer Herde machen es die Tiere genauso, wenn sie sich antreiben wollen«, erklärt er. Bewegt er sich langsam schräg nach vorne, verlangsamt »Merlin« sein Tempo. »Ein Pferd reagiert auf Körpersprache und lernt durch ständige Wiederholung«, erläutert Busch seine Art, die Tiere auszubilden.

Und Busch reagiert seinerseits auf die Pferdesprache: An der Kopfhaltung oder dem Spiel der Ohren erkennt der Fachmann, ob sein Pferd ihm aufmerksam gehorcht. Tut es das nicht, erhöht Busch den Druck: Er lässt das Pferd schneller laufen. Ohne Peitsche, ohne hektische Bewegung. Mit Bestimmtheit in Bewegung und Stimme. »Pferde rennen nicht gerne, das tun sie normalerweise nur auf der Flucht. Müssen sie schnell laufen, heißt das für sie, dass ich Druck ausübe«, erläutert Busch.

Merkt er hingegen, dass sein Tier die Lektion verstanden hat und sich aufmerksam auf »seinen« Menschen konzentriert, folgt sofort die Belohnung - zum Beispiel ein angenehm-wohliges Bürsten. Positive Verstärkung heißt der Fachbegriff dafür.

Busch kann seinem Araber - und im übrigen auch jedem anderen Tier in seinem Stall - die Beine mit einem Strick einwickeln, ihn allein in der Halle stehen lassen, er kann das lebhafte Tier ohne Trense und Gebiss, also ohne jede Verbindung zum Pferdemaul, im wildesten Galopp reiten. Und das, so erklärt er, kann jeder lernen - Mensch wie Tier

Zur positiven Verstärkung gehört auch ein positives Umfeld: Die Pferde stehen bei Erich Busch in Offenställen, in denen sie sich in kleinen Gruppen frei bewegen können. Vier eigene Pferde hat das Paar, die auch für Schüler zum Einsatz kommen, die kein eigenes Pferd besitzen. Andere bringen ihr Tier zum Unterricht mit, wieder andere überlassen Busch und seiner Lebensgefährtin ihr Pferd zur Ausbildung.

Erich Busch und Frauke Cilsik sind zurzeit dabei, in Lippe die »Initiative Westernreiten« aufzubauen: Fans dieser Reitweise, aber auch Trainer sollen sich regelmäßig austauschen können, Ausbildungsangebote sollen vernetzt werden. Wer neugierig geworden ist, kann sich unter Tel. (0 52 62) 99 56 84 mit Erich Busch in Verbindung setzen. Im nächsten Semester wird er außerdem bei der Volkhochschule Lemgo einen Kursus anbieten.

Westfalen-Blatt (Lemgoer Zeitung), 1./2./3. November 2002
von Patricia Meyer