


Praktikumsplatz zu vergeben!
...weitere Infos
Painthorsehengst zu verkaufen. Die 3 weiteren Verkaufspferde wurden verkauft. Wir gratulieren den neuen Besitzern.
...ansehen
Zwei Einstellplätze zu vergeben! Aufgrund der Stallerweiterung können wir euch zwei weitere Einstellplätze in Vollpension anbieten!
Der erste Western Horse Trainer Contest auf der Circle L Ranch war ein voller Erfolg! Die ersten Videos stehen online.
...weitere Infos
Sternreitertreffen im Westernreitcentrum Lippe vom 17.-19.09.2010
...weitere Infos
Die ersten Videos vom Trainer-Contest sind online!
...ansehen
DAS INTERVIEW mit Westernreiter Erich Busch zum Oskar-prämierten Film
"Brokeback Mountain"
Eine Szene - wie gemalt:
Erich Busch auf dem Weg zum lippischen Westernreitzentrum in Linderhofe.
FOTO: DERSCHUM
VON STEFAN DERSCHUM
Lonesome - und zuweilen schwul
.Extertal-Linderhofe.
Ein Bild wie ein Gemälde. Die sanften Erhebungen
in Extertal-Linderhofe hat der Winter noch in seine letzten Tage
gehüllt, und unberührter Schnee stiebt unter den Hufen eines
galoppierenden Pferdes in der Sonne glitzernd auseinander. Im Sattel
sitzt, die Beine von sattbraun-ledernen Chaps geschützt, Erich Busch auf
dem Heimweg zu seinem Hof, dem lippischen Westernreitzentrum. Bedeckte
nicht eine Schirmmütze statt eines Stetson den Kopf, Erich Busch wäre in
diesem Moment so etwas wie die Inkarnation aller existenten
Cowboy-Symbolik. Befände man sich nicht just im östlichsten Teil Lippes,
das Szenario wäre bare Westernpoesie, Marlboro-Country, Männerwelt.
Seitdem der Oskarbelohnte Regisseur Ang Lee in dem viel umjubelten
Liebesdrama "Brokeback Mountain" mit seiner Version das ursprüngliche
Mannessein um eine bislang vernachlässigte Facette erweitert hat,
erscheint es so, als fordere das Wort "Cowboy" zurzeit zwingend die
Ergänzung durch das Adjektiv "schwul". Die beiden kernigen Protagonisten
des Films haben mit ihrer Liebe und ihrem Sex die Westernwelt um den
Aspekt der Homosexualität erweitert.
Bei der ersten Anfrage für ein Interview hatte auch Erich Busch prompt
entgegnet: "Ich bin nicht schwul." Allerdings nicht erschrocken betont
wie eine peinliche Klarstellung, sondern lediglich als nüchterne
Information. Dann sprach der Westernfan über das maskuline Element und
die Klischees des Westernreitens, aber auch über den Einfluss des
Hollywoodstreifens auf die Country- und Westernszene.
Ist Westernreiten männlicher als Dressurreiten?
Erich Busch: Zumindest dann, wenn man die Vorstellungen, die die
meisten Leute davon haben, als Maßstab anlegen würde. Tatsächlich ist es
so, dass auf unserem Hof nicht selten Männer als Spät- und
Quereinsteiger von ihren bereits mit Pferden vertrauten Frauen zum
Reiten gebracht werden und dann sagen: In irgendwelche weißen
Strumpfhosen bekommst du mich aber nicht rein. Das Outfit, die
Atmosphäre, der ganze Umgang miteinander spricht beim Westernreiten eher
die Männer an - obwohl bei den Turnieren die Frauen wieder in der
Überzahl sind.
Lernen Männer anders als Frauen?
Busch: Definitiv. Männer und Frauen sind völlig unterschiedlich zu
unterrichten. Männer legen eine ganz andere Lässigkeit an den Tag als
Frauen. Mit Frauen muss man zunächst sehr viel über den Umgang mit dem
Pferd sprechen - und über psychologische Elemente des Reitens. Sie
wollen sehr zielorientiert alles richtig machen und verkrampfen dabei
manchmal, weil sie die vielen Gedanken und Probleme mit in den Sattel
nehmen. Lagerfeuer, starker schwarzer Kaffee aus Blechbechern,
Sattelleder, Sporen, Überzieher, Hut, Staub - beim Westernreiten kommt
eine Menge derber Männersymbolik zusammen. Busch: Das kann man wohl
sagen. Diese Klischees begegnen uns aber auch in vielen Städten. Sie
kennen doch sicherlich die großen Plakate mit der Zigarettenwerbung?
Frauen kommen da allerdings nicht vor.
Und diese Bilder prägen dann die Erwartungen der Männer, die bei Ihnen
das Westernreiten erlernen wollen?
Busch: Es ist ja nicht allein das Reiten, sondern das Gesamtkunstwerk.
Sie sehen die Chaps, die Gürtelschnallen, den Grill - und entwickeln
dazu ein Gefühl, das ihnen im Alltag nicht begegnet.
Eine Inszenierung?
Busch: Nein. Es wäre falsch, die Klischees schematisch zu bedienen.
Sondern die Situationen ergeben sich einfach. Wenn wir Hunger haben,
rufen wir eben kein Pizzataxi, sondern werfen ein Nackensteak auf den
Grill. Das ist eine Natürlichkeit, die selbstverständlich mit gewissen
männlichen Erwartungen übereinstimmt. Wenn das Handeln jedoch nicht in
das Umfeld passen würde, wirkte es nur noch lächerlich. Wir haben viel
über Klischees, die oft auch Vorurteile bedienen, gesprochen. Das
landläufige und in den Medien immer wieder zitierte Bild vom
affektierten Schwulen, der seinen Cappuccino nur mit abgespreiztem
Finger trinkt, passt doch nun überhaupt nicht in die raue Westernwelt.
Busch: Wenn man alle homosexuellen Männer über diesen Kamm scheren
würde, träfe das wohl zu. Das aber kann man nicht. Der schwule Mann, der
in einer Berliner Szenekneipe einen Prosecco genüsslich kostet, lässt
sich nicht mit einem homosexuellen Rodeoreiter bei den mittlerweile
zahlreichen Turnieren in den USA vergleichen. Das Selbstverständnis der
Männer aus den zwei Beispielen unterscheidet sich - trotz ihrer
sexuellen Gemeinsamkeit - gravierend.
Warum wird die Liebe von zwei Cowboys zurzeit derart thematisiert? Da
scheint es ja Irritationen zu geben.
Busch: Weil diese Liebe in einem Zusammenhang stattfindet, der von
gänzlich anderen, oftmals natürlich auch falschen Vorstellungen geprägt
wird - Wilder Westen, Cowboys. Plötzlich kommt da jemand, der uns sagt:
Hey, die harten Jungs können schwul sein. In den USA geht damit
womöglich auch ein Teil der klischeebeladenen geschichtlichen
Identifikation baden. 2006 ist das noch ein Thema, 2016 wahrscheinlich
nicht mehr. Obwohl (Erich Busch schmunzelt) - man müsste sich jetzt auch
mal fragen, warum bei "Bonanza" so selten Frauen mitspielten. Hoss und
Adam waren fast immer solo. Entweder starben die Frauen schnell, oder
sie zogen nach San Francisco. Irgendwie verdächtig, damals schon. Oder?
Sie waren unter anderem auch Trainer der Karate-Nationalmannschaft von
Island. Ist Kampfsport männlich?
Busch: Nein, schon lange nicht mehr. Übrigens führen Frauen ihre Kämpfe
meistens härter und verbissener als Männer.
Können Sie sich eher einen schwulen Karatekämpfer oder eher einen
schwulen Tänzer vorstellen?
Busch: Beim Karatekämpfer hätte ich zugegeben mehr Schwierigkeiten.
Aber auch das liegt mehr an dem Umfeld und an den Vorstellungen von
diesem Umfeld; weniger an dem tatsächlichen Selbstverständnis der
jeweiligen Menschen. Dennoch existieren Bereiche, in denen
Homosexualität bislang kaum thematisiert worden ist.
Es gibt beispielsweise bis heute kein Outing eines deutschen
Profifußballers - rein statistisch betrachtet nahezu eine Unmöglichkeit.
Liegt hier eine Furcht vor, dass Schwulsein den Mythos der Männlichkeit
aushöhlen könnte?
Busch: Das ist sehr gut möglich. Deshalb ist es wichtig, dass Filme wie
"Brokeback Mountain" gedreht werden. Sie können Toleranz schaffen, indem
sie andere Facetten der Wirklichkeit zeigen. Wie die Homosexualität bei
Cowboys.
Wird der Streifen auch die allgemeinen Vorstellungen vom Westerndasein
nachhaltig ergänzen?
Busch: Was die Homosexualität angeht, bin ich skeptisch. Ich denke,
dass die schönen Bilder des Films eher die Vorstellungen vom typischen
Cowboy-Lifestyle bedienen und verstärken. Wir planen für dieses Jahr ein
großes Western- und Countryfestival in Lippe, das genau dieses
Lebensgefühl transportieren soll. Ich hoffe, dass "Brokeback Mountain"
diesbezüglich ein Impuls ist. Ob schwul oder nicht - das hat für dieses
Gefühl keine Bedeutung.